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Ein schneller ICD-10-Diagnosethesaurus in der Hosentasche, kann den Ärger, den das leidige Thema Veschlüsselung sowieso macht, nachhaltig reduzieren. Sei es weil man ihn braucht und gerade kein PC in der Nähe ist, sei es weil sich die Klinik nur die billigste Software mit miserabler Suchfunktion leisten wollte.
Das Programm von Lorenz Pollak hat eine kontextsensitive und schnelle Suche und arbeitet zuverlässig. Darüber hinaus kann im ICD-10 auch sytematisch wie in einem Buch geblättert werden. Besonders gut gefällt die Hystory, in der alle bisher gesuchten ICD nach Datum gelistet sind. Dafür gibt es sicherlich mehrere Anwendungsfälle, besonders praktisch ist aber, dass sich dort die häufig vorkommenden Diagnosen sammeln und man sich dadurch nach wenigen Tagen der Benutzung oft umfangeiches Suchen sparen kann. Auch die Definition von Favoriten ist möglich.
Perfektioniert ist die Suche leider noch nicht: Gibt man beispielsweise „Knie“ und „Prellung“ ein, findet er nichts, bei „Knieprellung“ aber schon. Bei Eingabe von „HWI“ dagegen bietet er sofort sowohl die kardiologische als auch die urologische Möglichkeit an. Auch unvollständige Suchbegriffe wie z.B. „bur suba“ führen schnell zum Ziel (Bursitis subacromialis, Bursitis subachillea). Insgesamt ist das Programm alltagstauglicher als manche Desktoplösung, bei der schon guten Suche wünscht man sich noch Verbesserungen im Detail. ICD-10 Diagnosethesaurus gibt es im Apple Appstore für 6.60 CHF.
Häufig gebraucht werden im ärztlichen Alltag Formeln, Checklisten und Scores zur Risikobewertung, z.B. zur Schätzung der GFR oder des Thromboserisikos. Darüber hinaus sind vordefinierte Rechner zur Umrechung von Corticoid- und Opioiddosen hilfreich. Inzwischen gibt es etliche Apps, die das übernehmen. Mediquations, iDocTool und MedCalc sind im Alltag einfach und schnell zu bedienen. Es handelt sich dabei um automatisierte Formel- bzw. Scoresammlungen. Das benötigte Werkzeug lässt sich mit einer Suchfunktion oder über eine alphabetisch sortierte Liste aufrufen. Auch lassen sich oft genutzte Formeln als Favoriten kennzeichnen. Das Einheitensystem kann man in den Preferences voreinstellen. Darüber hinaus finden sich zu jeder Formel Hintergrundinformationen einschl. Referenzen (bei Mediquations mit einem Link zum passenden Artikel auf Pubmed). Die Programme sind auf Englisch, wer es gern auf Deutsch hätte, kann zu MedCalc greifen. Vergleichend geben sich alle drei nicht viel. Subjektiv erscheint mir Mediquations detailreicher und einfacher zu bedienen, weshalb ich es häufiger nutze. Investieren muss man für Mediquations 5.50 CHF, für iDocTool 2.20 CHF, MedCalc ist kostenlos.
Weitere Informationen zu Mediquations
Weitere Informationen zu iDocTool
Weitere Informationen zu MedCalc
Eine im Apple Appstore erhältliche App, um all das im vorhergehenden Post beschriebene zu tun, ist File Sharing: Einfach und übersichtlich zu bedienen, kann man damit via WLAN Dateien vom heimischen Computer auf das Iphone laden. Dabei erscheint das Iphone sozusagen als Laufwerk im WindowsExplorer oder im Finder auf dem Mac. Es lassen sich auch Ordner anlegen, mittles derer man die verschiedenen Dinge übersichtlich verstauen kann. Das ganze funktioniert relativ schnell und verlässlich; im Alltag lässt sich das Programm schnell starten und die abgelegten Dateien werden zügig geöffnet. Umgehen kann es mit folgenden Dateitypen: MS Word, Excel, PowerPoint, PDF, iWork Pages, Safari Webarchive, HTML, TXT, JPG, BMP, GIF, PNG, MP4 und MOV. Anlegen muss man dafür 2.20 CHF im Apple Appstore. Da gibt es übrigens noch einige andere, ähnliche und teilweise auch kostenlose Apps, die ich teilweise auch ausprobiert habe. Alltagsbezogen schien mir File Sharing am nützlichsten.
Der Durchschnittsarzt weiss vermutlich nur zweimal im Leben all das, was man ihm unterstellt zu wissen: nach dem Examen und nach der Facharztprüfung. Ansonsten sind nur die Fakten schnell und unkompliziert parat, die im Berufsalltag eine Rolle spielen. Das medizinische Wissen soll sich angeblich alle zweieinhalb Jahre verdoppeln (keine Ahnung wer das wo und wie misst), wenn es stimmt, ist es nur logisch, dass man evtl. gerade noch sein Fachgebiet überschaut, bei Details aber nachschlagen muss.
Eine Hilfe sind dabei Computer – wenn sie auf dem Schreibtisch stehen oder besser noch in der Hosentasche ein ständiger Begleiter sind. Habe in den letzten Jahren die eine oder andere Handheld-Inovation ausprobiert, wirklich überzeugt hat nur das Iphone – zumindest in der aktuellen Version 3GS.
Neben den multiplen medizinischen Helferlein (die in den folgenden Posts vorgestellt werden sollen) braucht es als Grundaustattung eine File-Sharing-App, mit der man Dateien auf Iphone übertragen und lesen kann (jpg, pdf, doc, txt etc. pp.). All die Einträge aus dem zerfledderten Notizbuch zur Aufdosierung von Phenytoin u.a. kann man dann z.B. in eine Word-Datei umwandeln und auf dem Iphone, wann immer man sie braucht, einsehen. Hilfreiche Schemata lassen sich mit der Kamera des 3GS abfotographieren und wenn benötigt betrachten (geht nicht mit dem 3G wg. zu geringer Kameraauflösung).
So hat man plötzlich überaschend viel Platz in den Kitteltaschen, weil all die Karten, Broschüren und Hefte (wer den Klinikleitfaden herumträgt, dem ist sowieso nicht zu helfen) ins Altpapier können. Und auch das Hirn freut sich, weil es sich auf das konzentrieren kann, was es besser kann als der Computer: Fakten bewerten und im richtigen Kontxt abrufen.
Wenn man sich dann entschieden hat, sollte man das eine oder andere für den ersten Arbeitstag vorbereiten. Wichtig ist, zu verstehen, dass es ab jetzt mehr auf praktische Dinge ankommt. Die nötige Theorie haben die Examina ins Hirn gebrannt und man wird bald sehen, dass sie nur bedingt alltagstaglich ist. Hilfreich sind folgende Dinge:
Stethoskop: Internisten können sich ruhig ein Littman Master Cardiology gönnen. Für alle anderen reicht auch das Littman Classic. Letzteres hat den Vorteil, dass es besser in die Kitteltasche passt, dort auch bleibt und man nicht ständig damit irgendwo hängen bleibt (sehr lustig bei den ersten eigenen Visiten). Die inzwischen erhältlichen elektronisch verstärkten Höhrohre sind für den normalen Alltag eher hinderlich, aber für Auskultationsfetischisten selbstverständlich eine Alternative.
Diagnoseleuchte: Eine kleine Lampe in Stiftform, die es von vielen Pharmafirmen als Werbegeschenk gibt, reicht hier völlg.
Reflexhammer: Eine nette Übersicht findet sich bei Via medici. Fast schon idiotensicher funktioniert die Reflexprüfung mit dem Modell Babinski/Rabiner, wenn es den langen elastischen Kunststoffstiel hat. Für Neurologen ist er ein Muss, insbesondere in der Schweiz. Er passt in dieser Ausführung nicht in die Kitteltasche, man kann ihn aber, den Kopf nach oben, in eines der unteren Knopflöcher des offenen Kittels stecken, dann ist er immer dabei. Für Nichtneurologen gibt es ihn als campingtaugliche Version zum Zusammenklappen. So passt er in jede Lücke.
EKG-Lineal: Gibt es entweder umsonst von igendwelchen Pharmafirmen oder mit den wichtigsten EKG-Kurzbefunden bei medi4u.
Arzneimittelreferenz: Gerade am Anfang hat bekommt man Wirkstoffe und Handelsnamen nur schwer in Deckung. Für Deutschland gibt es ein handliches Büchlein bei medi4u. Für die Schweiz sollte es das Brevier von Documed sein, das gut in die Kitteltasche passt und auf den meisten Stationen herumliegt. Evtl. lohnt sich auch ein kleiner Handheld-Computer. Die Suche geht damit natürlich schneller und er hat den Vorteil, dass man auch andere Nachschlagwerke wie z.B. den Herold oder den Harrison damit immer dabei haben kann. Gute Informationen zum Thema findet man auf der Seite von Wolfgang Offenberger.
Klinikleitfaden: Trotz Examen kann man nicht alles im Kopf haben. Hilfreich sind die handlichen Zusammenfassungen des jeweiligen Fachgebietes, die es inzwischen icht nur vom Thieme-Verlag gibt. In die Kitteltasche muss man sie nicht unbedingt stecken, denn vor dem Patienten Bücher zu wälzen ist ein absolutes no go. Es reicht also, wenn der kleine Helfer auf dem Schreibtisch Platz findet.
Notizheft: Am Anfang hat man die Tendenz, ständig Notizen machen zu wollen. Dafür eignet sich ein gebundenes Notizheft besser als eine lose Zettelwirtschaft. Letztere geht bei den hohen Katecholaminspiegeln in den ersten Arbeitswochen wegen des daraus resultierenden Tunneblicks ständig verloren und stiftet deshalb mehr Chaos, als sie eine Hilfe wäre. Darüber hinaus kann man in einem solchen Heft auch mal etwas dokumentieren, um sich gegenüber Oberarzt und Chef abzusichern. Praktikabel ist das Format A6. Dünne Hefte passen gut in die Kitteltasche. Wenn eines voll ist, schreibt man den Zeitraum vorne drauf, archiveirt es zu Hause und beginnt ein neues.
Stauschlauch: In deutschen Kliniken wichtig, sonst rennt man nämlich ständig doppelt, wenn man Blut abnehmen oder einen venösen Zugang legen muss darf. Am besten einen von denen auf Station einstecken.
Stempel: Deutsche Kliniken können sich in der Regel keine Stempel für seine Assistenten leisten. Unter jede Verordnung seinen Namen schreiben zu müssen ist aber ätzend. Klitzekleine Stempel mit integriertem Stempelkissen gibt es heute schon für wenig Geld. Da muss nur stehen, „Dr. med. R. Dünkel“, und in der zweiten Zeile, „Arzt“, das reicht, spart aber viel Arbeit. Angebote gibt im Web unzählige, z.B. bei Trodat.
Arbeitskleidung/Namensschild: Wird von der Klinik gestellt.
Den Rest sollte man einfach auf sich zukommen lassen. Schliesslich kommt erstens alles anders und zweitens als man denkt.
