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Nun ist es endlich soweit. Der Tag, für den man sechs Jahre sein Hirn geknetet hat, ist gekommen. Aufregend wird er von allein werden, deshalb ist es wichtig, sich um eine gewissene innere Distanz von den kommenden Ereignissen zu bemühen.
Je nach Klinik wir man von seinem Oberarzt mehr oder weniger ausführlich durch die Klinik geführt, allem, was sich bewegt, vorgestellt und in die internen Abläufe eingeweiht. Man sollte nun nicht alles auf einmal wollen. Zu zeigen, dass man der beste ist, kann man in den kommenden Monaten, das hat Zeit. Am besten hört man zunächst interessiert und aktiv zu, fragt wenn Dinge unklar sind. Und dann beginnt man einfach etwas studiumsbedingt gänzlich ungewohntes, man tut. Nur so wächst man langsam in die neue Rolle hinein.

Bei der ersten Stelle spielt für die meisten die Probezeit nur insofern eine Rolle, als sie sich immer wieder angsterfüllt fragen, ob sie es ohne Kündigung schaffen werden. Ihr könnt beruhigt sein, Ihr werdet.
Die wenigsten Kliniken können es sich leisten, jemanden einzustellen, einzuarbeiten und sechs Monate später das gleiche wieder zu tun. Zum anderen, wissen alle ausser den Betroffenen selbst, dass Assistenzärzte im ersten Jahr zwar viel theoretisches Wissen haben (oft mehr als ihre Oberärzte), aber so gut wie nichts können. Es wird also auch gar nicht von Euch erwartet, das Ihr fähig seid. Erwartet wird vielmehr, dass Ihr tut, was die Erfahrenen Euch sagen, dass Ihr mit Sorgfalt vorgeht (Rückfragen!) und keine Patienten umbringt. Dass Ihr still leidet und erst nach Hause geht, wenn alle Arbeit gemacht ist, insbesondere der Schreibkram. Dass Ihr Euch führen lasst!
Die Probezeit sollte deshalb dazu genutzt werden, zu prüfen, ob Ihr wirklich die richtige Klinik ausgesucht habt. Wenn diesbezüglich Zweifel aufkommen, weil Absprachen nicht eingehalten werden, die versprochenen Weiterbildung nicht stattfindet und Eure Überstunden nicht vergütet werden, sofort neue Stelle suchen und mit der minimalen Kündigungsfrist (meist zwei Wochen) auf die neue Stelle switchen. Häufiger Stellenwechsel ist in unserem Job später ein Ausweis für Erfahrung und schadet gar nicht. Im übrigen herrschen auf dem Arbeistmarkt für Assistenzärzte die mitleidslosen Kräfte des Marktes. In den 80er und 90er Jahren haben unsere Kollegen sich die Finger wund geschrieben für Bewerbungen und sich teilweise von Dreimonatsvertrag zu Dreimonatsvertrag gehangelt, weil es eine Ärzteschwemme gab. Niemanden hat das gekümmert, genausowenig wie die aus dem Überangebot resultierenden menschenverachtenden Arbeitsbedingungen. Es ist also durchaus legitim, den Spiess mal ein bisschen umzudrehen.

fmh1Die Überschrift ist weniger ein Kalauer, als Ausdruck des Grundproblems jedes deutschen Assistenzarztes: Die Weiterbildung ist es, nach der man alles ausrichten muss. Zum einen, weil praktisches Wissen und Können in der Medizin essentiell sind, zum anderen, weil sie so in ziemlich jedem Spital vernachlässigt wird.
Hat man nach den Vorstellungsgesprächen mehrere Zusagen, sollte man sich deshalb für die Klinik mit dem besten Weiterbildungsmöglichkeiten entscheiden.
Woran man das erkennt? Schon mal daran, ob es überhaupt ein Konzept gibt. Das ist nämlich in Deutschland nur selten der Fall. In der Schweiz sind die Verhältnisse glücklicherweise anders. Wichtig ist ausserdem, ob während der Arbeitszeit Weiterbildungsveranstaltungen stattfinden. In der Chirurgie spielt es eine ganz grosse Rolle, wie der Zugang zu den OPs geregelt ist. Schiebt man Stationsdienst, bis der Chef gnädig ist, einen in den OP zu lassen? Oder folgt das allgemeinverbindlichen Regeln? Wieviel Oberärzte betreuen wieviel Assistenten?
Diese Informationen sind vorab oft nur schwer zu bekommen. Eine Möglichkeit ist, sich über das Chefsekretariat mit dem Assistentensprecher verbinden zu lassen (man muss das nicht unbedingt unter dem Namen, unter dem man sich beworben hat, tun). Ob das funktioniert ist auch schon ein guter Hinweis. Kennt das Chefsekratariat den Assistentensprecher nicht, oder gibt es sogar gar keinen, kann man daraus schliessen, das auch alles andere, was die Assistenten betrifft, schlecht organisiert ist.
Der nächste Schritt wäre, dann den Dienstarzt zu verlangen. Ihn sollte man zuerst fragen, ob er ein paar Minuten Zeit hätte, oder ob man später noch mal anrufen solle (er ist u.U. im Stress). Man kann das auch an mehreren Tagen machen, dann bekommt man Informationen aus mehreren Quellen.
Fazit: Bei der Auswahl der Stelle, sollten die persönlichen Ausbildungsziele das entscheidende Kriterium sein. Denen, denen man dann absagt, sollte man genau das auch rückkoppeln, sonst ändert sich nämlich nie etwas.

Nach diesen grundsätzlichen Überlegungen hat man sich vielleicht bei drei oder vier Kliniken beworben, und die eine oder andere Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen. Bevor man da aufkreuzt, auch hier kurz nachdenken:
Die üblichen Tipps im Web zu diesem Thema sind sicherlich nicht schlecht. Allerdings läuft bei Gesprächen zu Assistentenstellen doch einiges anders. Das fängt schon damit an, das kaum ein Spital die Fahrtkosten übernimmt, was in der freien Wirtschaft durchaus üblich ist. Auch sollte man nicht erwarten, dass ein strukturiertes Gespräch mit einem geführt wird. Meist sitzt man einem unverschämt verspäteten und gelangweilten subalternen Oberarzt gegenüber, der mühselig ein paar Alibifragen bastelt. Danach wird man mit dem üblichen, „sie hören von uns“, verabschiedet. Wenn man den Eindruck hinterlassen hat, der deutschen Sprache mächtig und ausreichend leidensfähig zu sein, bekommt man bei den derzeitigen Verhältnissen (Assistentenmangel) meist eine Zusage. Zumindest in Deutschland ist das in der Regel so, in der Schweiz, geht man mit seinen potentiellen Mitarbeitern etwas sorgfältiger um.
Letztlich muss man keine Angst haben, weil das Gesprächsniveau nicht gerade hoch ist. Fachliche Fragen werden nur sehr selten gestellt und sie sind nicht wichtig. Die Kleidung sollte einem selbst entsprechen, so dass man sich wohl fühlt. Es ist aber sicherlich nicht schlecht, über den Habitus ein bisschen zu signalisieren, dass einem dieser Termin wichtig war. Anzug und Krawatte bei Männern, ein schlichtes Kostüm bei Frauen ist nie falsch aber nicht unbedingt immer nötig. Ein Sakko als Mann, entsprechendes bei Frauen, sollten aber schon sein.
Aufgeregt wird man dabei immer sein. Das legt sich ein bisschen, wenn man sein Gegenüber während des Gesprächs ansieht (ins Gesicht) und ab und zu lächelt (ganz wichtig). Man sollte ein bisschen etwas über die Klinik auf deren Homepage gelesen haben und wissen, warum man dort arbeiten will und welche beruflichen Ziele man hat. Sollte man an einen ganz schlauen Oberarzt mit der Frage, „warum, meinen Sie, sollen wir sie einstellen“, geraten, bietet es sich an mit, „warum sie mich einstellen sollen, müssen sie schon selbst wissen, aber ich denke dass ich für die Stelle geeignet wäre, weil …“, ein bisschen Schlagfertigkeit zu demonstrieren.
Wie auch immer, das Bewerbungsgespräch ist nicht nur für den Arbeitgeber gedacht, sondern es ist auch für Euch eine gute Gelegenheit, wichtige Informationen zu sammeln. Darüber hinaus sind eigene Fragen eine gute Strategie, sich nicht ständig Antworten auf igrendwelche Pseudofragen wie, „warum haben Sie Medizin studiert“, ausdenken zu müssen.
Drum nach ein paar Minuten höflich fragen, ob man auch ein paar Fragen stellen dürfe. Obligatorisch sind folgende: Welche klinikinterne Fortbildung gibt es? Wird externe Fortbildung unterstützt und wie? Wie sind die Dienste geregelt? Für welche Abteilungen ist man während der Dienste zuständig (es gibt inzwischen wieder mehr „interdisziplinäre“ Dienste, d.h. einer für Innere, Chrirugie, Uro, Gyn an kleinen Häusern)? Welche Infrastruktur hat das Spital (Rx, CT, MRI, Sono etc.)? Gehalt?
Die wenigsten haben mehr als eine halbe Stunde Zeit für so etwas. D.h. wenn man so richtig in Fahrt ist, sollte man um diese Zeit, den Gang rausnehmen und dem Gegenüber Gelegenheit geben, das Gespräch zu beenden. Am besten macht man am Schluss eine globale Zusage (absagen kann man immer noch).

Die einen wissen schon seit Studienbeginn, dass sie später Kardiologen werden und werden dann Psychiater. Die anderen wissen noch garnichts oder wollen erst mal Grundfertigkeiten lernen. Letztlich ist die Wahl der medizinischen Disziplin für die erste Stelle natürlich etwas sehr Individuelles. Generell sollte man aber folgendes überlegen:

Man fängt wieder bei Null an. Das bisher Gelernte ist allenfalls ein Bauplan für den ärztlichen Beruf, mehr nicht. Das eigentliche Handwerk wird in der Assistentezeit erlernt. Das bedeutet, die ersten Stellen sollten möglichst viele ärztliche Grundfertigkeiten vermitteln. Dinge, die man in allen Fächern gebrauchen kann.

Das funktioniert besonders gut in der Anästhesie, auf Notfallstationen oder in der Chirurgie. Egal welcher Facharzt man später wird, das dort Gelernte kann man immer gebrauchen. Allerdings muss man in Deutschland damit rechnen, in den Akutdisziplinen relativ schnell ins kalte Wasser geworfen zu werden. Ganz nach dem Motto, „schwimm doch du blöder Fisch“.

Wer gern schrittweise in die neuen Aufgaben hineinwachsen möchte, geht zunächst in eine Rehaklinik. Früher konnte dies das Aus für eine akutmedizinische Karriere bedeuten. Heute interessiert es kaum noch, weil viele Kliniken sich ihre Assistenten nicht mehr aussuchen können. Darüber hinaus ist Reha heutzutage kein Schnarchfach mehr, sondern oft handelt es sich um hochspezialisierte Fachkliniken. Da lernt man dann eine ganze Menge, allerdings durch die längeren Liegezeiten der Patienten (mehrere Wochen bis Monate) ohne den knüppelharten Zeitdruck einer Akutklinik.

Wer schon weiss, welchen Facharzt er erreichen möchte, sollte nach dem ersten Jahr in den oben erwähnten Fächern, in die nach der jeweiligen Weiterbildungsordnung geforderten Fächer wechseln, dann gehts schneller. Für Allgemeinmediziner ist dagegen eine Rotation durch möglichst viele Disziplinen empfehlenswert. Nur, was man klinisch gesehen hat, beherrscht man letztlich wirklich. Dabei sind Abschnitte von einem halben bis einem Jahr sinnvoll (abgesehen von den geforderten Zeiten in Chirurgie und Medizin).

Nicht vergessen sollte man ausserdem, das die Medizin keine Wissenschaft ist, sondern eine Kunst, die sich wissenschaftlicher Methoden bedient. In Praxis lernt man deshalb nicht wie im Studium in Kiel dasselbe wie in München, sondern das, was die jeweiligen Chef- und Oberärzte für gute Medizin halten. Stellenwechsel sind deshalb auch wichtig, um andere Perspektiven kennenzulernen und das eigene Können zu erweitern.