Wie in jedem Lebensbereich gibt es auch in der Medizin die eine oder andere Banalität, die essentiell für alles andere ist. Als Arzt, muss man nicht nur Dinge wissen und können, man spielt auch eine Rolle. Eine Rolle, an die alle anderen drumherum hohe Erwartungen knüpfen. Der Erfolg im Alltag und auch im Hinblick auf die langfristige Karriere ist stark an die Erfüllung der mit dieser Rolle verbundenen Erwartungen geknüpft.
Die Basiserwartung ist, dass wenn alles im Chaos versinkt und alle in Panik sind, einer den Überblick behält, nämlich der Arzt. Was auch immer passiert man muss ruhig bleiben. Diese Fähigkeit fällt selbstverständlich nicht unbedingt vom Himmel, aber man kann sie sich über die Jahre erarbeiten. Dabei können folgende Überlegungen hilfreich sein:
Unabhängig davon, wie gut man als Student war, man wird nun wieder ganz bei Null Anfangen. Man weiss vielleicht viel, aber man kann nichts. Das bedeutet man ist der Depp, dem alle sagen wie es geht. Das ist mitunter schwer zu ertragen, aber normal. Am besten stellt man die Frage, ob man ein guter Arzt ist, nicht vor zehn Jahren Berufserfahrung, bis dahin akzeptiert man die Rolle als Lernender. Das mindert den Stress immens und macht ruhiger.
Es gibt absolut keine Situation im Berufsalltag eines Arztes, in der es nicht richtig wäre, zu erst nachzudenken und dann zu handeln. D.h. auch im Notfall, muss immer Zeit sein, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen (Vitalzeichen, unmittelbar vorausgegangene Ereignisse, Medikation, bekannte Grunderkrankung, Rea-Status), bevor man handelt. Dieses Prinzip sollte man nie verlassen, selbst in lebensbedrohlichen Situationen.
Ärzte rennen nicht. Insbesondere nicht im Notfall. Wer rennt, setzt sich einen Schuss aus Katecholaminen und tritt letztlich unter Drogen und mit einem Puls von 180/Minute ans Krankenbett. Der daraus resultierende Tunnelblick ist gefährlich und wenig hilfreich. Deshalb rennt der Arzt auch bei einem Rea-Alarm niemals, sondern geht zügig zum Patienten. Die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten hängt zwar besonders von den Basismassnahmen in den ersten Minuten ab. Aber diese Basismassnahmen (Thoraxkompressionen) müssen alle im Spital Tätigen beherrschen. D.h. der basic life support muss schon laufen, wenn man dazukommt. Es gibt also niemals einen Grund zum Herumrennen.
Während der Nacht erscheint die Welt allen Menschen bedrohlicher, auch Ärzten. Notfallsituationen sollten deshalb im Nachdienst besonders sorgfälltig und mit viell innerlicher Distanz beurteilt werden.

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