Mir war schon seit einiger Zeit klar, dass ich dem DRG-Wahnsinn mit der Flucht in die Schweiz nur vorübergehend entgangen bin. Aber es scheint, als würde man hier den Esel noch kräftig melken wollen, während man ihn zur Schlachtbank führt. Bekomme ich doch heute eine E-Mail von meiner Berufsvertretung, der FMH, mit einem Angebot für einen lehrreichen DRG-Kurs. Wahrscheinlich damit ich als Codiervieh auch fit bin, wenn es dann soweit ist. Ein Schnäppchen, nur 640 CHF für den eintägen Kurs (einen dreitägigen Grundkurs Abdomensonographie bekommt man übrigens schon für 800 CHF). Pikant daran ist, dass die FMH fleissig für die DRG wirbt, während die Zahl derer, die diesen Quatsch gern aussetzen würden, grösser wird. Frage mich, ob sie mitverdient an dem ganzen Spass. Wer Interesse an dieser hochwichtigen Fortbildung hat, findet die genaue Beschreibung hier.

„Böse Pharmaindustrie“ mal ganz anders (interessante Übersicht):

http://gesundheit.blogger.de/topics/Regividerm

In Austrittsberichten wird in der Liste der Diagnosen (diese Monstertabellen der Internisten mit mindestens drei Unterpunkten wie „Ergometrie am …“ aber das ist ein anderes Thema) gern beim Punkt “Chronische Niereninsuffizienz“ neben dem aktuellen Kreatinin die sogenannte „berechnete GFR“ angegeben. Schlecht ist das nicht, ist doch die GFR zur Einschätzung des Grades der Niereninsuffizienz und zur Ermittlung der „Nierendosis“ des einen oder anderen Medikaments bedeutsam.
Was allerdings völliger Käse ist, ist der Begriff „berechnet“, der etwas suggeriert, was dort definitiv nicht angegeben ist, nämlich die genaue GFR. Vielmehr handelt es sich bei allen schicken Gleichungen wie zum Beispiel die nach Cockcroft-Gault um Schätzungen. Es muss im Brief also korrekt „geschätzte GFR“ heissen, denn es handelt sich trotz aller Rechnerei nur um Näherungen. Errechnen lässt sich die GFR, wie wir alle aus dem Physiologiekurs wissen, nur unter sehr grossem Aufwand exakt.
Dem einen oder anderen mag das wie ein besonderer Exzess der Klugscheisserei vorkommen. Für mich ist es ein gutes Beispiel, wie wir in der Medizin an vielen Stellen eine Exaktheit zu Grunde legen, die es (leider) nicht gibt.

Warum eigentlich muss ich für meine Fortbildung doppelt zahlen? Vor allem bei den Fachjournalen artet es mehr und mehr in Nepp aus. Neugierig und fortbildungswillig wäre ich ja. Aber wollte ich alle Journale lesen, die mich interessieren, könnte ich mir das wegen der Abonnementkosten nicht leisten. Das stört um so mehr, als die dort publizierten Studien entweder mit öffentlichen oder Geldern der Pharmaindustrie finanziert wurden. Darüber hinaus waren hunderte von Patienten im Sinne der Allgemeinheit bereit, als Studienpatient zu dienen. Wenn ich daran seriös (nicht bloss durch „Fobi by abstract“) und gemäss meiner Verpflichtng zur Fortbildung teilnehmen will, kostet mich das pro Journal hunderte Franken pro Jahr – für etwas, was sicherlich nicht den publizierenden Verlagen gehört.
Als es nicht vermeidbar war, diese Dinge auf Papier zu drucken, in handliche Heftchen zu binden und zu verschicken, konnte ich das nachvollziehen. Aber in Zeiten des Internets braucht es dazu nur noch eine Website und ein board, dass ein peer review durchführt. Beides ginge ohne hohe Abokosten, sogar ohne die den Zweck von Fachjournals konterkarierende Medikamenten-Werbung.
Interessante Überlegungen, z.B. von den Akademien der Wissenschaften Schweiz, dem Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaften und anderen gibt es schon länger. Bedenkenträger sind – wen wundert es – die Verlage, die sich um die „Qualität“ sorgen. Ein Beispiel dafür wie fadenscheinig dieses Argument ist, kann man hier und hier nachlesen.

icd10Ein schneller ICD-10-Diagnosethesaurus in der Hosentasche, kann den Ärger, den das leidige Thema Veschlüsselung sowieso macht, nachhaltig reduzieren. Sei es weil man ihn braucht und gerade kein PC in der Nähe ist, sei es weil sich die Klinik nur die billigste Software mit miserabler Suchfunktion leisten wollte.
Das Programm von Lorenz Pollak hat eine kontextsensitive und schnelle Suche und arbeitet zuverlässig. Darüber hinaus kann im ICD-10 auch sytematisch wie in einem Buch geblättert werden. Besonders gut gefällt die Hystory, in der alle bisher gesuchten ICD nach Datum gelistet sind. Dafür gibt es sicherlich mehrere Anwendungsfälle, besonders praktisch ist aber, dass sich dort die häufig vorkommenden Diagnosen sammeln und man sich dadurch nach wenigen Tagen der Benutzung oft umfangeiches Suchen sparen kann. Auch die Definition von Favoriten ist möglich.
Perfektioniert ist die Suche leider noch nicht: Gibt man beispielsweise „Knie“ und „Prellung“ ein, findet er nichts, bei „Knieprellung“ aber schon. Bei Eingabe von „HWI“ dagegen bietet er sofort sowohl die kardiologische als auch die urologische Möglichkeit an. Auch unvollständige Suchbegriffe wie z.B. „bur suba“ führen schnell zum Ziel (Bursitis subacromialis, Bursitis subachillea). Insgesamt ist das Programm alltagstauglicher als manche Desktoplösung, bei der schon guten Suche wünscht man sich noch Verbesserungen im Detail. ICD-10 Diagnosethesaurus gibt es im Apple Appstore für 6.60 CHF.

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